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Kolumne - Juli 2020

Der kreativste Künstler ist die Natur - Andreas Tenzer

Der kreativste Künstler ist die Natur - Andreas Tenzer

Nach den Betrachtungen in unserer letzten Ausgabe zur Intuition, folgen wir dieser Spur dieses Mal noch etwas weiter und tiefer, da wir uns heute mit der Kreativität auseinandersetzen wollen.

Hier gibt es ganz offensichtlich einen gewissen Zusammenhang, mehr noch, gehen einige geisteswissenschaftliche Forscher so weit, die Kreativität als einen Aspekt der Intuition zu definieren.

Die geheimnisvolle und launische Kreativität soll „hervorgelockt“ werden, ist sie doch seit einigen Jahren einerseits in vielen Lebensbereichen ein sehr begehrter Gast, der uns viele Stunden der vertieften und bereichernden Beschäftigung mit unseren besonders geliebten Aktivitäten beschert und uns dabei zu besonderen Höhenflügen oder Kunstwerken verhilft.

Andererseits soll sie uns zu Diensten gemacht werden, um in einer Welt, in der es bereits alles zu geben scheint, was ein menschliches Hirn ersinnen kann, in immer neue Geschäftsfelder und Produkte zu erfinden, möglichst auf Knopfdruck.

Doch ist sie nicht ganz ungefährlich die hochgelobte Kreativität! Ist man ihr erst einmal auf die Spur gekommen und hat ihr beflügeltes Wesen kennengelernt, so möchte man ihr immer öfter und immer mehr nahe sein. Es kann zu einem hektischen, ja gar ekstatischen Tun führen, dem wir wie ein Süchtiger frönen und am Ende kann sie uns in vielfältiger Weise sogar ins Verderben führen.

Sie gibt unserer Seele viel Nahrung, doch verbraucht sie andererseits auch sehr viel Kraft, das dann unser Körper zu spüren bekommt. Zu viel davon strapaziert unsere Nerven, die Gedanken kreisen unaufhörlich und das Gehirn stellt sich als Kanal für die Impulsübermittlung zur Verfügung. Nicht wenige -sehr berühmte und äußerst talentierte- Künstler sind in diesem Sinne erkrankt, im burnout gestrandet oder haben sich sogar in einem Zustand des Wahns und der Raserei das Leben genommen.

So möchte ich mit Ihnen die Kreativität jetzt etwas strukturiert in der Betrachtung näher beleuchten.

Was ist Kreativität? Eine Annäherung

Kreativität ist nach meinem Verstehen eine Grundfähigkeit des Menschen, sie hat jedoch nichts mit unserem Talent zu tun. Ich denke, jeder Mensch ist – mehr oder weniger – kreativ. Denn allein durch kreative Problemlösungen kann es der Mensch geschafft haben zu überleben, indem er sich flexibel an die jeweils notwendigen Situationen angepasst, verhielt.

Kreativität hat viele Gesichter und kann sich auf viele Arten zeigen: einen neuen Vorhang nähen, die Wohnung einrichten, Märchenerzählerin werden, eine Software entwickeln, eine Gruppe leiten, einen Betrieb aufbauen, gärtnern, … ein schier unerschöpfliches Reservoir.

Kunst, Schöpferkraft, Schöpferisches

An dieser Stelle möchte ich einen kleinen Ausflug in einige sprachliche Zusammenhänge machen:
Kreieren = lat. Creare + crescere und  engl. To create – creativity
Schöpfen = engl. to create

An diesen Wortspielen wird sofort klar erkennbar, dass Kreativität und Schöpferkraft/schöpfen deckungsgleich sind, im Englischen werden sie mit ein und dem selben Wort ausgedrückt.

Kreativität ist die Fähigkeit schöpferisch zu denken und zu handeln.
Sie ist also eine Voraussetzung um Ideen zu finden und für das künstlerische Schaffen.
Kunst und Kreativität gehören zusammen.

Wenn wir es in Folge dieser Betrachtungen nun wagen, einen direkten Vergleich anzustellen auf Basis eines scheinbar allgegenwärtig vorhandenen Grundprinzips, so fällt bereits durch die Wortgleichheit auf, dass wir unsere Urquelle ebenfalls oft mit dem Begriff „Schöpfer“ bezeichnen.

Und so dürfen wie vielleicht ahnen, dass auch die Urschöpfung unserer Welt durch den Urschöpfer ein kreativer Akt war, der ebenfalls diesen kreativen Prozess durchlief.

Kreativität üben und trainieren

Künstler, Erfinder, Architekten, Designer … es gibt viele Berufsgruppen, die sich mit der Kreativität ständig auseinandersetzen und ihre Früchte in Form von neuen Ideen oder Werken ernten. Und zwar auch und vielleicht in erster Linie, weil sie ihr kreatives Tun regelmäßig üben. Ja, üben!

Kreativität kann, ja muss geübt und trainiert werden, wie Muskeln. Kreativität ist wie ein „Muskel des Denkens“, der Ideen schafft und den Gedanken eine neue Richtung gibt. Etwas unkonventionell zu machen, gegen den Strom schwimmen und ausgetretene Pfade verlassen.

Kreativität ist kein Motor, den man nur mit ein paar Kreativitätstechniken und Übungen füttern muss, damit er dauerhaft und pünktlich geniale Ideen ausspuckt.
Vor allem künstlerische Tätigkeiten, wie zeichnen, malen, schreiben, musizieren, tanzen, Geschichten erzählen, bildhauern, können ein Übungsfeld sein, um die Kreativität zu trainieren und um sie zu aktivieren.

Kreatives Arbeiten hat immer auch eine Auswirkung auf die Persönlichkeit.
Es besteht ein Wechselspiel zwischen der Wahrnehmung und der Veränderung eines Menschen. Wenn man kreativ gestaltet, sich ausdrückt und neue Wege geht, dann erkennt und lebt man oft auch neue Seiten seiner Persönlichkeit.

Der kreative Prozess

Es gibt verschiedene Modelle, die den kreativen Prozess erklären und ihn in 3 oder 4 Phasen einteilen. Das könnte den Eindruck vermitteln, dass der kreative Prozess vollständig nach Plan abläuft.

Man darf hierbei nicht vergessen, es handelt sich um Modelle und Erklärungsversuche.
Als Einstieg in das Thema sind diese Denkansätze sehr gut, um die Phasen des Prozesses kennenzulernen und sie zu verstehen. Allerdings hinken diese Prozessmodelle, da eben bei der Kreativität nicht alles geradlinig verläuft.

In Wirklichkeit ist alles deutlich komplexer. Kreatives „Denken“ geht oftmals um die Ecke, ist assoziativ, braucht Freiräume, manchmal haben die Phasen eine andere Reihenfolge, werden übersprungen oder sie wiederholen sich. Nach meiner Beobachtung ist kreatives Arbeiten nicht linear. Der kreative Prozess verläuft eher in einem Zyklus, in einer Spiralbewegung oder mäandert - scheinbar zufällig.

Kreativer Prozess und einige seiner Wegstationen

  • Impuls: Es beginnt mit einer Anregung, Ideen finden und sammeln
  • Recherche: Informationen sammeln, die Idee füttern
  • Ausdruck und Ausarbeiten: Ins Tun kommen, Reaktion auf die Informationen der Recherche
  • Es geht nicht weiter: Irgendwann kommt dieser Punkt
  • Zurücktreten, Abstand nehmen
  • Wahrnehmen: Was ist entstanden?
  • Reflexion über das Gestaltete
  • Antwort, Reflexion und weitere Recherche wechseln sich ab, ein neuer Zyklus beginnt.

 

Im Verlaufe eines kürzlich mit einer Freundin geführten Gespräches, kamen wir auf diese Erkenntnis: Um unsere Kreativität zu leben müssen wir unsere Angst vor dem Versagen ablegen …, denn „out of the box“ denken und vor allem handeln und leben, das erfordert in der Tat ein gewisses Maß an Mut und will vorsichtig geübt sein.

In diesem Sinne möchte ich Sie für heute mit meinen weiteren Assoziationsvorschlägen für Ihren eigenen Kreativitätsprozess verabschieden:

Ideenfindung / Schöpfung / (Neu)-Gestaltung / Problemlösungsfähigkeit / - entwicklung / - technik / - konzept / - blockaden / - test / - kreative Bausteine / kreativer Prozess / Schöpferische Kreativität / kreative Aufgabenlösung / Erfindung / Entwerfen / Neuheit / Innovation / Querdenken / Erzeugung/ Herstellung / geschehen lassen / wachsen lassen / Re-kombination existierender Ressourcen / Assoziation / Brainstorming / Klarträume / Offenheit der Erfahrung  / Improvisation / Phantasie

 

Mit den besten Wünschen und vielleicht durch diesen Artikel inspiriert, viel Freude bei einer kreativen Tätigkeit
Ihre

Reinhilde Burg

© TRILOGOS STIFTUNG 2012. Alle Rechte vorbehalten | Letzte Aktualisierung 12.08.2020