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Kolumne - September 2020

Vertrauen - Selbstvertrauen

„Wenn Deine Vorstellung von Vertrauen darin besteht, dass andere sich so verhalten müssen, wie Du erwartest, dann ist das kein Vertrauen – das ist Arglist.“ -Sadhguru-

„Trau Dich“, das sagen wir Eltern unseren Kindern, sobald sie beginnen die Welt auf ihren eigenen kleinen Beinen wackelig und doch ganz eigenständig zu beschreiten. Wir versuchen Sie damit darin zu unterstützen, mutig ins beharrliche Ausprobieren zu gehen, obwohl sie sehr oft hinfallen. Offenbar gibt es von Beginn an einen inneren Drang in uns Menschen, der uns dazu führt, dass wir uns mit etwas Neuem auseinandersetzen, etwas „erlernen“ wollen.

Das Zutrauen in die Möglichkeit Neues zu erforschen ist jedoch offenbar mit dem Mut in Zusammenhang zu bringen, wie es schon an diesem Beispiel ersichtlich wird.

Sobald wir es dann geschafft haben, uns eine neue Fertigkeit anzueignen, so dass wir sie beherrschen, bekommen wir ein erweitertes Gefühl des größer gewordenen Selbst-Vertrauens. Und das wiederum führt dazu, dass wir wachsen und uns ausdehnen als Menschen. 

Was hat es also mit dem Vertrauen genau auf sich? Ist es eine Gemütsregung, die wir uns vielleicht sogar selbst aneignen müssen oder dürfen, die nicht automatisch vorhanden ist? An diesem Beispiel weitergedacht, sieht es ganz danach aus. Es sieht so aus, dass wir einen Vorsatz, eine Absicht setzen müssen, ins Vertrauen zu gehen, etwas bis dahin noch nicht im Erfahrungsschatz Befindlichen, zu begegnen, sich dem zu Öffnen und damit auseinanderzusetzen. In dem obigen Beispielfall wäre es die Erprobung einer neuen Fähigkeit, die wir haben möchten. Sei es, weil wir diesen inneren Drang per se verspüren oder sei es, weil wir von dem was wir bei anderen Menschen gesehen haben, inspiriert wurden und es nachzuahmen beginnen.

Ich möchte einen weiteren Aspekt beleuchten, der uns im Zusammenhang mit dem Begriff Vertrauen geläufig ist. Wir sprechen davon, dass wir einem anderen Menschen, einem Tier oder auch einer Situation, vertrauen. Wir haben zwei Möglichkeiten dieses Vertrauen zu gewähren, denn das ist es bei genauerer Betrachtung, eine Gewährleistung, die wir aus uns selbst heraus geben, aus einer eigenen Entscheidung.

Entweder geben wir einen Vorschuss bei dem Umgang mit dem anderen Wesen/ der Situation, weil wir davon ausgehen oder spüren, dass wir keine negativen Erfahrungen oder Verletzungen durch ihn/es erleiden werden.

Die zweite Möglichkeit ist die, dass wir erst einmal KEIN Vertrauen gewähren und im Zusammenspiel schauen, welcher Art die Begegnungen verlaufen werden.

Was bewegt einen Menschen sich für den ein oder den anderen Fall zu entscheiden?

Das ist wie es mir scheint, ein sehr weites Feld.

Es gibt vertrauensselige Menschen, die aus ihrer Entscheidung heraus immer in die Vorschussvariante gehen und trotz einiger Erfahrungen von Vertrauensbruch und Schmerz, DAFÜR entscheiden weiter so durchs Leben zu gehen. Oder sie wurden dieserart geprägt durch ihre Erziehung und sie können gar nicht anders, auch wenn es ihnen offenkundig sehr oft zum Nachteil gereicht, sie sogar unter dieser „Zwangs-Haltung“ leiden und es nicht schaffen, an der zu groß gewählten Vertrauensgrenze etwas zu ändern.

Das Ganze kann bei anderen Menschen wiederum genau andersherum geprägt worden sein und sie sind von Hause aus misstrauisch und haben für sich beschlossen, dass dies die sicherere Version ist, die sie generell bevorzugen.

Doch wie alle Entscheidungen im Leben hat alles seine Vorteile und auch Nachteile.

Wenn wir uns das tiefgründiger ansehen, erkennen wir, dass sich die gewählte Grundhaltung auf das gesamte Leben, insbesondere auf das soziale Leben auswirkt. Denn das Vertrauen hängt mit einer Öffnung hin zum anderen Wesen/ der Situation, zusammen. Misstrauen am anderen Ende lässt diese Öffnung nicht zu, da wir uns dann aus Eigenschutz heraus verschliessen. Wir berauben uns damit jedoch selbst der ein oder anderen Bereicherung, die wir ganz besonders aus einer tiefgründigen Begegnung heraus erfahren.

Im Falle einer durch Misstrauen geprägten Haltung ist die Begegnung sicherlich eher nicht tiefgründig, sondern oberflächlicher und vorsichtiger. Ich gehe sogar soweit zu hinterfragen, ob hieraus überhaupt eine wahre Begegnung von Wesen zu Wesen stattfinden kann?

Das gilt im Besonderen für Partnerschaften jeglicher Art. Ich möchte an dieser Stelle auch noch einmal bewusst machen, dass wir für den Akt der Eheschließung beispielsweise den Wortstamm von Vertrauen verwenden: die Trauung und die Treue schwören!

Verlassen wir zunächst wieder diese horizontale Vertrauensebene und gehen in die Vertikale.

Was meine ich damit? Es ist die Frage nach der Urheberschaft dieser verbindenden Kraft, wir kennen es unter der Bezeichnung Ur-Vertrauen. Ganz aktuell habe ich persönlich den Eindruck, dass der Glaube daran, dass es diese Kraft gibt, bei den meisten Menschen verloren gegangen ist. Es ist eine Kettenreaktion: wenn der Glaube daran fehlt verbirgt sich das Ur-Vertrauen und es wird nicht wahrgenommen, dass wir von einer höheren Macht getragen sind. Wenn dies jedoch nicht wahrgenommen wird, gehen wir das „Risiko Leben“ immer weniger und oberflächlicher ein.

Ich sehe eine Verlagerung von dem Vertrauen (hier ist er wieder, der Vorschuss) in unsere eigenen Sinne und Fähigkeiten -seit einigen Jahrzehnten schwindend – hin zu einer auf dem Vormarsch befindlichen Technik- und Wissenschaftsgläubigkeit, als Ersatz dafür. Sie soll offenbar die Sehnsucht der Menschen nach der Vermeidung von schmerzvollen Erfahrungen stillen. Doch welch hohen Preis zahlen wir bereits jetzt dafür. Wir sitzen fest in der Falle der Separierung und befinden uns in großen Abhängigkeiten von äußerem Expertentum für alle Lebensbereiche.

Vielleicht ist es genau dieser Umstand, der uns besonders angstanfällig macht in Zeiten von Krisen: das fehlende Gespür des Ur-Vertrauens, dass wir Alles in uns tragen und von höher Macht geführt sind.

Haben wir tatsächlich eine Wahl, uns anstatt mit Vertrauen eher durch Misstrauen geprägt durch unsere Leben zu bewegen, wenn wir ein innerlich reiches und tiefgründiges Leben leben wollen? Ich sage nein, das geht überhaupt nicht.

Hier finden Sie zum Abschluss meiner Kolumne zu Ihrer eigenen Kontemplation die weiteren assoziativen Begriffe zu unseren Monatsthema mit in die nächsten Wochen:

Glaube in / Kombination mit Hoffnung und Liebe / Verlässlichkeit / Verbindlichkeit / Treue / Vertrauensbildung / -wachstum / -dimensionen / -vorsprung / -geber /-nehmer / -grundlage / -bruch / Selbstvertrauen / Gottvertrauen / Mißtrauen / Empathie / Mitgefühl / Kooperation / Soziologie / Partnerschaft / Integrität / Altruismus / Benevolenz / Offenheit / Kommunikation / Schicksal / Sympathie / „blind vertrauen“ / Sicherheit / Zuversicht

Ich wünsche Ihnen ganz viel Mut den Sprung ins Ungewisse dessen was geschieht zu wagen, indem Sie sich für das Vertrauen entscheiden – und dies vielleicht immer wieder? - bei Ihren nächsten Begegnungen.

Ihre

Reinhilde Burg

© TRILOGOS STIFTUNG 2012. Alle Rechte vorbehalten | Letzte Aktualisierung 23.10.2020